1901: Buddenbrooks – erster Teil

Thomas Mann - Die BuddenbrooksBuddenbrooks. Was für ein Ziegelstein. Jahrelang schimmelte das Buch nun schon in meinem Regal vor sich hin. Ich habe die Lektüre vor mir hergeschobe, nachdem ich schon einmal bei der Lektüre von Thomas Mann kläglich gescheitert war. Das war auf dem Zauberberg 2009. 500 Seiten habe ich damals gelesen. Ich war sehr interessiert an Hans Castorps langsamen Annäherungen an Clawdia Chauchat. Ich habe mich durch viele Duzend Seiten intellektuellen Austauschs zwischen Castorp und Settembrini gequält. Als der Protagonist dann etliche Seiten lang im Schneetreiben auf einem Berg rumgurkte und für mich tagelang nicht mehr erkennbar war, worum es in dem Buch eigentlich geht, habe ich den Schinken in die Ecke geklatscht.

Jetzt aber trotzdem Buddenbrooks. Drei Jahre hat Thomas Mann an seinem Erstling geschrieben. Als Jahrhundertroman wurde das Buch oft gepriesen, aber warum eigentlich? Ich will wissen, warum das Buch den Literaturnobelpreis (1929) bekommen musste. Der Zauberberg, Mario und der Zauberer und Der Tod in Venedig fand ich zwar ganz angenehm erzählt, aber bisher noch das Herausragende, den Oberhammer vermisst. Mal sehen, ob er jetzt kommt.

Ich bin erstaunt, wie leicht sich die Buddenbrooks lesen lassen. Ich hatte bei Thomas Mann vorher immer das Gefühl, dass er sich mir versperrt. Besonders im Zauberberg ergoss er sich stundenlang in detailliertesten Beschreibungen, so dass ich regelmäßig den Faden verlor. Nicht so der Erstling. Der ist sehr angenehme Bettlektüre, auch wenn der Abend schon fortgeschritten ist und sich teile des Gehirns schon abgeschaltet haben. Ich bin immer wieder überrascht, wie prägnant und keck Thomas Mann formuliert, aber ich denke, der Rest der Welt wusste schon längst über seine „unnachahmliche Erzählweise“ Bescheid. Gleich am Anfang schon, als die Familie beisammen sitzt und Tony den Katechismus abfragt, dort steht der Satz: „Bei diesen Worten aber brach der alte M. Johann Buddenbrook einfach in Gelächter aus, das er heimlich in Bereitschaft gehalten hatte.“ (Für alle, die es nachlesen wollen: das steht auf Seite 7  – alle Seitenangaben hier beziehen sich auf die limitierte Sonderausgabe, die 2005 im Fischer Taschenbuch Verlag erschienen ist und die auf dem Bild zu sehen ist.) Er spricht kokett von „nett bebänderten Schäferinnen“ (Seite 10) und manchmal schreibt er so komisch, dass ich laut lachen muss. So beispielsweise in der Beschreibung von Tonys Pensionsmutter Fräulein Weichbrodt:

„Wenn sie zu einer Schülerin sagte: <Kind, sei nich-t domm!> und zweimal dabei ganz kurz mit dem gekrümmten Zeigefinger auf den Tisch pochte, so machte sie den Eindruck, das ist sicher; und wenn Mademoiselle Popinet, die Französin, sich beim Kaffee mit allzu viel Zucker bediente, so hatte Fräulein Weichbrodt eine Art, die Zimmerdecke zu betrachten, mit einer Hand auf dem Tischtuch Klavier zu spielen und zu sagen: <Ich wörde die ganze Zockerböchse nehmen!>, dass Mlle. Popinet heftig errötete…“

Die ersten drei Teile habe ich am Wochenende gelesen und ich freue mich auf mehr.

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2 Kommentare zu „1901: Buddenbrooks – erster Teil

  1. Ich habe das Buch sehr gemocht. Es ist eins von denen, die ich nie weg geben würde.
    Dein Projekt finde ich super. Ich habe vor ein paar Monaten ein Buch von 1897 gelesen: „Auf zwei Planeten“ von Kurd Laszwitz (meine Tastatur hat kein „Buckel-S“)
    Mich faszinieren Bücher aus anderen Epochen sehr. „Der Untertan“, „Im Westen nichts Neues“ oder „Der Schüler Gerber“… alles tolle Bücher.
    Ich werde deinem Projekt gerne folgen.
    LG

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