1901: Buddenbrooks erledigt

Die Buddenbrooks am Sternenhimmel: 5 von 7 Sternen

Am Ende sind alle männlichen Familienmitglieder tot, nur Christian, der vegetiert in einer „Anstalt“ vor sich hin. Die Familie ist nun also „verfallen“, dabei sind noch so viele weibliche Familienmitglieder übrig. Tony Permaneder, ihre Tochter Erika und deren Tochter Elisabeth. Sie zählen aber wohl nicht richtig, denn schließlich ist keine Mitgift da, um sie wieder in gute Verhältnisse zu verheiraten ( und keiner mehr, der sie verheiraten könnte). Dann ist da noch Gerda Buddenbrook, geborene Arnoldsen, die nach dem Tod ihres Mannes und ihres Sohnes in ihre Heimat Amsterdam zurückkehrt. Die zählt auch nicht, weil sie ja nur angeheiratet war. Außerdem ist da noch Kusine Klothilde, die ins Kloster aufgenommen wurde, aber auch nicht zählt, weil sie ja nur aus einer armen Nebenlinie stammt. Zum Schluss leben auch noch die drei Schwestern Friederike, Henriette und Pfiffi Buddenbrook, die auch unverheiratet sind.  Eigentlich sind also nur die Männer heruntergekommen und die Frauen müssen in der Konsequenz dran glauben und blicken hilflos dem tristen Schicksal entgegen. Sehr 19. Jahrhundert eben.

Ich würde die Buddenbrooks jederzeit wieder zum ersten Mal lesen. Nochmal lesen würde ich das Buch aber nicht. Es hat mich eingesaugt in seine Geschichte. Die detaillierten Beschreibungen sind der Hammer, aber es ist ein bisschen, wie bei der Geschichte vom süßen Brei. Oft wird die Sprache einfach immer mehr und mehr, obwohl schon längst alle genug haben und zum nächsten Gang wechseln wollen. Mir gefällt, dass man als Leser so nah am Inneren der Figuren dran ist. An Tony Buddenbrooks Glückssuche und an ihrem Hochhalten der Familiengeschichte, an Thomas Buddenbrooks Verzweiflung und an Hannos Angst in der Schule ein nicht gelerntes Gedicht abgefragt zu werden und deswegen sitzen zu bleiben. Sie sind mir nun doch alle ans Herz gewachsen. Sie sind alle so menschlich.

Die Welt der Buddenbrooks

Wer noch mehr wissen möchte, über die Entstehungsgeschichte, über Thomas Mann, über Lübeck und über die Buddenbrooks-Filme, der lese Die Welt der Buddenbrooks von Hans Wisskirchen. Man bekommt ein schönes Drumherum, jenseits von literaturwissenschaftlicher Schwere und beschränkten Lektüreschüsseln. Außerdem sind tolle Bilder drin: zum Beispiel vom Landschaftszimmer im Buddenbrookhaus, von Lübeck in verschiedenen Jahrhunderten und von Familie Mann. Besonders toll fand ich die Illustrationen, die in den letzten Hundert Jahren gezeichnet wurden.

 

Advertisements

2 Kommentare zu „1901: Buddenbrooks erledigt

  1. Hallo Nele, erstmal Kompliment für’s fertiglesen. Ich habe den Zauberberg nach 2/3 weg gelegt. Das Problem: Ich liebe die Sprache von Thomas Mann und seine Beobachtungsgabe, seinen ironischen Tonfall. Aber die langen philosophischen Passagen ermüdeten zu sehr. Seither habe ich meine Lesetechnik etwas verändert. Dazu vielleicht später mal was. Grüße. Leo

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s