1903: Erskine Childers veröffentlicht Das Rätsel der Sandbank

Bevor ich über Das Rätsel der Sandbank gestolpert bin, hatte ich noch nie von Erskine Childers gehört und sofort bezweifelt, dass es sich bei ihm um einen echten Klassiker handeln soll. Diese Einschätzung erwies sich als etwas vorschnell, denn in der Tat hatte Childers eine einmalige Geschichte.

Bei Das Rätsel der Sandbank handelt es sich um sein einziges fiktionales Werk. Er fing damit die öffentliche Angst vor einer feindlichen Invastion ein, die wohl in den Jahren vor dem ersten Weltkrieg allgegenwärtig gewesen sein muss. Er war selbst versierter Segler und hatte unzählige ausgiebige Fahrten durch Ostsee, Nordsee und Atlantik unternommen. (Gut für jemanden, der ein Buch schreibt, dass auf einer 2-Mann-Yacht spielt). Diese Kenntnisse bilden nun also die Grundlage für sein im Dokumentationsstil gehaltenes Buch. Nach der Veröffenlichung 1903 ist sein „Bericht“ wohl durchaus für bare Münze genommen worden, denn England hat in der Folge massiv an seiner Verteidigung gearbeitet.

Childers wuchs bei seiner Tante und seinem Onkel, studierte in Campbridge und war später Angestellter im britischen Unterhaus. 1899 meldete er sich als Freiwilliger und nahm an de Burenkriegen teil. Als er von dort schwer verwundet zurückkehrter, verfasste er seinen Roman. Später schrieb er weitere Bücher, die sich kritisch mit dem britischen Militär auseinandersetzten. Er war Anhänger der irischen Unabhängigkeitsbewegung geworden. Er schmuggelte zur Unterstützung des Osteraufstandes 1916 Waffen nach Irland. Nach dem ersten Weltkrieg wurde er Pressesprecher des neuen irischen Parlamentes und später auch Abgeordneter. Nach der Bildung des Irischen Freistaates 1921 wurde er als Anhänger gegnerischer Politik verfolgt. Childers hatte das anglo-irische Abkommen wegen zu umfangreicher britischer Machtbefugnisse kritisiert. Schließlich wurde Childers 1922 von einem Erschießungskommando exekutiert.

Seine Lebensgeschichte liest sich selbst schon wie ein Roman. Über seine Segelabenteuer berichtet das Buch A Thirst of the Sea von Hugh & Robin Popham.

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