1914: Ich Tarzan – du Jane

Foto am 23-02-2014 um 22.44Wie viele Verfilmungen von Tarzan gibt es eigentlich? Gerade ist schon wieder eine neue angelaufen, diesmal in 3D. Was ist an dem Stoff eigentlich so spannend? Und wo kommt die Geschichte her? Ich hatte vorher noch nie von Edgar Rice Burroughs gehört. Er war ein amerikanischer Bürgerkriegsveteran, der sein Geld als Goldgräber und im Handel mit Bleistiftanspitzern verloren hatte und deswegen Geschichten an Zeitschriften verkaufte. Seine dritte Geschichte „Tarzan bei den Affen“ (1914) war in den USA wahnsinnig erfolgreich, schon 1918 wurde sie erstmals verfilmt. Erstaunlicherweise sind die Bücher in Deutschland gar nicht so verbreitet. Ich hatte eine sehr schöne Ausgabe aus dem Pegasus Verlag von 1950.

Alles beginnt 1888 als Familie Clayton nach Britisch-Westafrika geschickt wird. Dort werden John Clayton und seine schwangere Frau Alice von Meuterern am Dschungel ausgesetzt (übrigens in der Übersetzung von 1950 noch weiblich: die Dschungel). Es kommt wie es kommen muss und beide sterben ein Jahr nachdem das Kind geboren wurde. Die Äffin Kala zieht Tarzan (d.h. Weißhaut) auf. Für einen Affen ist er zwar recht schwächlich, aber ansonsten ist er eine ziemlich beeindruckende Erscheinung. Die Geschichte geht so weiter, wie man sie kennt. In Begleitung einer Expedition kommt Jane Porter in den Dschungel und sie und Tarzan verlieben sich leidenschaftlich.

„Tarzan bei den Affen“ ist sprachlich nicht besonders beeindruckend. Zwar hat Edgar Rice Burroughs seine Geschichten nur zum Geldverdienen geschrieben, aber wie ich bei Jack London erkennen  durfte, muss das keinen Einfluss auf die Qualität der Erzählung haben. Spannend war für mich, wie Burroughs vor hundert Jahren über Rassenunterschiede geschrieben hat. Tarzan erkennt bald, dass er anders ist, als die Affen, bei deren Stamm er lebt. In der Pubertät schämt er sich noch, als er erkennt, dass er unbehaart ist, aber es schimmert immer schon die Annahme durch, als weißer Mensch sei er irgendwie zu Höherem geboren.

Er konnte nicht schwimmen und das Wasser war sehr tief, aber er verlor auch nicht einen Augenblick das Selbstvertrauen und seine Findigkeit, die Kennzeichen eines höheren Wesens waren.“ (Seite 47)

Einen ersten Höhepunkt erreicht dieses Wunder der Natur als Tarzan in einer verfallenen Hütte ein paar Bücher seiner Eltern entdeckt und sich selbst das Lesen beibringt. Und nicht nur das: auch Schreiben bringt sich der, der nie andere Menschen das Gleiche hat tun sehen, selbst in jahrelanger Fleißarbeit bei. Natürlich hat er neben der Jagd und anderen „Affen“aktivitäten immer genügend Zeit dazu. Und dann ist es nur noch eine Frage der Zeit:

Vor Jahren, als er noch viel kleiner war, hatte er sich das Fell Sabors, der Löwin, Numa, des Löwen oder Sheetas, des Leoparden, gewünscht, um seinen unbehaarten Körper zu bedecken, da er nicht länger mehr Histah, der widerlichen Schlange, gleichen mochte, aber jetzt war er stolz auf seine glatte Haut, denn sie war ein Beweis seiner Abstammung von einer mächtigen Rasse (Seite 72)

Und auf die Idee ist der Junge ganz allein gekommen! Tarzan wird bald König der Affen und fühlt schnell, dass er dem Job und überhaupt dem ganzen Affenvolk intellektuell überlegen ist. Obwohl Tarzan kein Englisch spricht, noch je in England war, noch überhaupt je einen Engländer gesehen hat, bezeichnet Burroughs ihn doch konsequent als jungen Engländer und alles fußt auf der Annahme, dass in ihm der feine Gentleman angelegt ist. Ich denke, heute wissen wir, dass dem nicht so ist. Etwas befremdlich ist es schon.

Abgesehen davon, liest sich der Tarzan ausgezeichnet. Es ist aufregend, wie er zu den Affen kommt, wie er Jane begegnet und wie er den Dschungel schließlich verlässt. Und darum geht es bei Abenteuerliteratur ja am Ende nur, die Spannung.

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3 Kommentare zu „1914: Ich Tarzan – du Jane

  1. Interessanter Beitrag! Ich muss gestehen, das mich Tarzan auch nie sonderlich gereizt hat – weder Verfilmungen noch Buch. Lediglich das Musical habe ich gesehen – von dem war ich jedoch begeistert. Nach deinem Lesebericht bin ich nun aber auch neugierig auf die literarische Vorlage geworden.

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