1930: „Hiob“ von Joseph Roth

img_0194Mit Joseph Roth hatte ich das letzte Mal in der Oberstufe zu tun. Damals nahm die Deutschlehrerin mit uns „Radetzkymarsch“ durch, ein Buch, dass sich für mich in kürzester Zeit als unlesbar herausstellte. Da ich meine, dass sich mein literarischer Horizont in den letzten fünfzehn Jahren etwas erweitert hat, wollte ich auch Joseph Roth eine zweite Chance geben. Durch erneute Annäherung an Schullektüre habe ich in den letzten Jahren immer wieder neue Favoriten für mich entdeckt, so zum Beispiel Gottfried Keller und Fontane. Im Falle von Joseph Roth sollte sich ein solcher Glücksfall für mich jedoch nicht wiederholen.

Die Geschichte beginnt in einem Kuhdorf in Rußland, wo Mendel Singer, ein armer frommer jüdischer Lehrer mit seiner Familie lebt. Seine Familie, das ist seine Frau Deborah, seine Tochter MirjSam und seine drei Söhne Jonas, Shermajah und der behinderte Menuchim.

Gott hatte seinen Lenden Fruchtbarkeit verliehen, seinem Herzen Gleichmut uns seinen Händen Armut. Sie hatten kein Gold zu wägen und keine Banknoten zu zählen. (Seite 5 der Ausabe aus dem St. Benno-Verlag Leipzig von 1967)

Menuchim ist Epileptiker, was einiges Unglück in die Familie bringt. Doch Menuchim ist so fromm, dass er ihn nicht in ein nichtjüdisches Krankenhaus zur Behandlung bringen will, obwohl ihm das umsonst angeboten wird. Er erfleht lieber Gottes Hilfe. Ein Rabbi hatte Deborah außerdem prophezeit, dass Gott Menuchim eines Tages heilen würde. Die beiden anderen Söhne werden indes zur Armee gerufen, doch Shermajah desertiert und flieht nach Amerika. Dort kommt er zu einigem Wohlstand und möchte die Familie nachholen. Das ist Mendel am Ende auch ganz recht, denn seine Tochter Mirjam trifft sich zu regelmäßigen Schäferstündchen mit einem Kosacken auf dem Feld.

Klar ist aber, wenn die Familie nach Amerika will, muss sie Menuchim zurücklassen. Schweren Herzens beschließen sie, ihn bei Bekannten in Obhut zu geben und machen sich auf nach New York. Mirjam und Deborah leben sich gut ein, aber Medel hadert mit seinem neuen Leben. Als dann der erste Weltkrieg ausbricht, meldet sich Shermajah freiwillig und fällt. Aus Trauer stirbt Deborah gleich hinterher und Mirjam wird wahnsinnig. Das bringt das Fass zum Überlaufen und Mendel wendet sich enttäuscht von Gott ab.

Aus, aus, aus ist es mit Mendel Singer! Er hat keinen Sohn, er hat keine Tochter, er hat kein Weib, er hat kein Geld, er hat kein Haus, er hat keinen Gott! (Seite 133)

Später taucht Menuchim in New York auf. Er ist gesund und wohlhabend. Er nimmt seinen Vater zu sich. Dann macht Mendel seinen Frieden mit der Welt.

So viel zur Geschichte. Für mich war es insgesamt eine eher unbefriedigende Lektüre. Ich fühlte mich vom Schreibstil Roths regelrecht gehemmt. Kurze Sätze hemmen den Erzählfluss und ich hatte das Gefühl, ich müsste der Geschichte jede Wendung energisch abringen. Die Story selbst konnte mich einfach nicht mitnehmen. Das mag unter anderem aber daran liegen, dass Glaubensfragen für mich im Leben insgesamt nicht relevant sind. Außerdem lieferte das Buch mir nicht genügent Informationen über die verschiedenen Personen, sodass sie mir alle oberflächlich und eindimensional blieben. Schade, Joseph Roth gehört nach wie vor nicht zu meinen Lieblingsautoren.

Eine Rezension des des Hörbuchs gibt es bei schiefgelesen.

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3 Kommentare zu „1930: „Hiob“ von Joseph Roth

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