1934: Gelangweilt und empört von „Zärtlich ist die Nacht“ (F. Scott Fitzgerald)

Seit vielen Jahren bezirzt mich dieser Titel. „Zärtlich ist die Nacht“ – das klingt nach großem Gefühl und nach lauem Sommerabend. Schön. Dass F. Scott Fitzgerald gute Ideen hatte, habe ich schon vor Jahren bei der Lektüre von „Der seltsame Fall des Benjamin Button“ und „Der große Gatsby“ erfahren. Deswegen war „Zärtlich ist die Nacht“ auch von Anfang an gesetzt auf meiner Liste. Aber es war wie mit so vielen Büchern, die ich eigentlich schon immer mal lesen wollte: es hat mich einfach nicht gepackt.

Die Geschichte dreht sich wieder einmal um Amerikaner:innen in Frankreich (wie schon 1926 bei Fiesta von Hemingway). Das aufstrebende Filmsternchen Rosemary verliebt sich bei einem Aufenthalt in Südfrankreich in den Psychologen Dick Driver, der sich auch in sie verliebt. Allerdings ist er auch verheiratet mit der reichen Nervenkranken Nicole, die er mindestens als ihr Arzt auch nicht verlassen möchte. Über Hunderte von Seiten ist das Leben in Saus uns Braus und die frührere Lebens- und Leidensgeschichte von Dick und Nicole zu lesen. Laut der Wikipedia besticht der Roman „durch seine modernistische Erzähltechnik; besonders dem Einsatz von Schnitten und dem Fokussieren, zahlreiche Rückblenden und dem Gebrauch des inneren Monologs wie der Montage. Die Schilderung der Außenwelt in poetischen Bildern, die eine kühle Romantik wie Vergeblichkeit vermitteln und die meisterhaften Dialoge, die harmlose Plaudereien, larmoyante Selbstdarstellungen, Streitereien bis zu Liebesszenen beinhalten, übernehmen neben der Charakterisierung der Figuren auch die Aufdeckung ihrer inneren Sehnsüchte und Absichten.“ Bla. Das ganze mag ja schrecklich meisterhaft sein. Es ist aber auch schrecklich langweilig. Im wesentlichen passiert seitenlang nichts. Ich kann mir aus dieses Leuten keinen Reim machen.

Die Geschichte plätschert dahin – ich wechsele sogar zum Hörbuch, dann kann ich wenigstens in der Zeit stricken. Und schließlich reißt mir der Geduldsfaden als ich in „Die Liebe in Zeiten des Hasses“ von Florian Illies (seeehr zu empfehlen) lese, was für ein Schwein von einem Ehemann F. Scott Fitzgerald gewesen sein soll. In „Zärtlich ist die Nacht“ verarbeitet er ja unter anderem die psychische Erkrankung seiner Frau Zelda. Diese schrieb allerdings auch selbst. Während eines Klinikaufenthaltes 1932 verfasste sie den Roman „Save me the last Waltz“ – auf Grundlage ihrer Biografie. F. Scott Fitzgerald erhob allerings den alleinigen Anspruch auf die Verwertung ihrer Geschichte in „Zärtlich ist die Nacht“. Zusammen mit seinem Lektor kürzte er Zeldas Roman ohne ihr Einverständnis um circa 100 Seiten. Ist das zu fassen? Von ihrem Buch wurden nur etwas mehr als 1000 Exemplare verkauft. Seins ist Weltliteratur.

Ich lege das Buch nun also empört und genervt zur Seite. Was für eine Pleite!

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