Spinnerei auf der Weltkarte (Atempause)

Das dritte Buch ist durch. Das Rätsel der Sandbank ist ausgesprochen kurzweilige Lektüre. Je mehr mir ein Buch gefällt, desto weniger habe ich offenbar darüber zu sagen. Die Geschichte ist einfach und charmant, ganz wie Davies in der Geschichte. Nicht worüber man noch nachdenken würde, wenn der Buchdeckel zu ist. Vielleicht ist es auch das, vielleicht zu einfach. Und es gibt, außer der Warnung vor einer möglichen Invasion Englands durch die deutsche Armee, keinen Hintersinn wie in Buddenbrooks. Vielleicht ist es aber auch nicht fair Erskine Childers, der nur diesen einen Roman geschrieben hat und ansonsten eigentlich Politiker war, an Thomas Mann zu messen.

Als nächstes habe ich Hermann Hesse auf dem Programm. Mit Hesse geht es mir wie es mit Thomas Mann auch war. Alle sagen, der ist irgendwie toll, aber es ist noch nicht zu mir durchgedrungen. Ich habe mich herzhaft gelangweilt mit zwei Bänden Kurzgeschichten, war aber auch ganz angetan von Siddhartha. Nun also Peter Camenzind. Wieder ein Romanerstling von einem Großen. Mal sehen, wer dieser Peter ist.

In der Zwischenzeit habe ich ein bisschen rumgesponnen und mir überlegt, wie es wohl aussähe, die Schauplätze aller Bücher meines Projekts auf einer Karte darzustellen. Das Ergebnis könnt ihr euch schon mal anschauen, auch wenn das Jahrhundert gerade erst begonnen hat.

Wasser, Seefahrt, Abenteuer – 9 Lesetipps für den heißen Sommer

von Marion KörnerDie Sommer erreicht seinen Zenit. Freunde und Nachbarn sind im Urlaub, waren schon im Urlaub oder fahren gleich in den Urlaub. Für alle, die wie ich in Gedanken verreisen oder den Sommer noch etwas verlängern wollen, gibt es hier 9 lesenswerte Romane und Geschichten rund um Schiffe, Boote und das Meer.

1. Überfahrt. Eine Liebesgeschichte von Anna Seghers:

„Mit einer Abfahrt ist nichts zu vergleichen. Keine Ankunft, kein Wiedersehen. Man läßt den Erdteil endgültig hinter sich zurück. Und was man dort auch erlebt hat an Leiden und Freuden, wenn die Schiffsbrücke hochgezogen wird, dann liegen vor einem drei reine Wochen Meer.“

Die „Norwid“ schippert von Bahia nach Europa. Der Arzt Ernst Triebel erzählt von Maria Luise, seiner Jugendliebe. Es wird die Erzählung seines Lebens.

2. Homo Faber von Max Frisch

Wie man eine Woche auf einem solchen Schiff verbringt, konnte ich mit nicht vorstellen, ich ging hin und her, Hände in den Hosentaschen, einmal geschoben vom Wind, dann mühsam, so daß man sich nach vorn lehnen musste mit flatternden Hosen, ich wunderte mich, woher die anderen Passagiere ihre Sessel hatten.

Der Ingenieur Walter Faber trifft auf einer Schiffspassage von Manhattan nach Europa die junge Sabeth, die ihn stark an seine Jugendliebe Hannah erinnert. Sie machen sich gemeinsam auf zu Sabeths Mutter nach Griechenland. Eine Reise, die verhängnisvoll enden soll.

3. Schiffbruch mit Tiger von Yann Martel

Der halbwüchsige Inder Pi Patel ist einziger menschlicher Überlebender eines Schiffsunglücks. Mit ihm im Rettungsboot sitzen ein Zebra, ein Orang Utan, eine Hyäne und, wie könnte es anders sein, ein Tiger. Nach 227 Tagen auf See landet das Boot in Mexiko und Pi kann die Geschichte einer außergewöhnlichen Seefahrt erzählen. Unbedingt lesenswert. Letztes Jahr ist das Buch mindestens ebenso sehenswert von Ang Lee verfilmt und mit vier Oscars ausgezeichnet worden.

4. Der alte Mann und das Meer von Ernest Hemingway

Ist das Buch schlechthin von Hemingway. Der kubanische Fischer Santiago ringt mit einem riesigen Fisch, dem Fang seines Lebens. Es ist der große Kampf des Menschen mit der Natur.

5. Moby Dick von Herman Melville 

Wenn schon von gigantischen Fischen die Rede ist, darf Moby Dick natürlich nicht unterschlagen werden. Melville erzählt auf über 1000 Seiten die Geschichte der Jagd auf den legendären weißen Wal. Im Mittelpunkt steht der von Hass zerfressene Kapitän Ahab, der Wal selbst bleibt hauptsächlich Phantom. Da sich die Lektüre etwas hinzieht, sei sie hier nur für Schnellleser oder Leute mit langen Ferien empfohlen. Alle anderen kommen vielleicht hier auf ihre Kosten.

6. Schachnovelle von Stefan Zweig

Die Rahmenhandlung von Stefan Zweigs bakanntestem Werk spielt auf einer Schiffspassage von New York nach Buenos Aires.  An Bord ist auch der Schachweltmeister Mirko Czentovic, der Schachpartien gegen alle Anwesenden spielt. Das erregt die Aufmerksamkeit von Dr. B. Dieser war von den Nationalsozialisten inhaftiert und isoliert worden. Um in der Einsamkeit nicht dem Wahnsinn anheim zu fallen, begann Dr. B in Gedanken Schachpartien gegen sich selbst und brachte es zu erstaunlicher Meisterschaft.

7. Robinson Crusoe von Daniel Defoe

Die Geschichte von Robinson Crusoe und Freitag ist so bekannt, dass man meinen könnte, jeder hätte das Buch, das als der erste englische Roman gilt, gelesen. Das ist aber (nach einer aktuellem, nicht repräsentativen Umfrage)  keineswegs der Fall. Trotzdem ist der Klassiker jede Seite seiner Lektüre wert.  Im Originaltitel erfahren wir gleich alles, was wir wissen müssen: The Life and Strange Surprizing Adventures of Robinson Crusoe of York, Mariner: Who lived Eight and Twenty Years, all alone in an un-inhabited Island on the Coast of America, near the Mouth of the Great River of Oroonoque; Having been cast on Shore by Shipwreck, wherein all the Men perished but himself. With An Account how he was at last as strangely deliver’d by Pirates. Written by Himself. („Das Leben und die seltsamen überraschenden Abenteuer des Robinson Crusoe aus York, Seemann, der 28 Jahre allein auf einer unbewohnten Insel an der Küste von Amerika lebte, in der Nähe der Mündung des großen Flusses Oroonoque; durch einen Schiffbruch an Land gespült, bei dem alle außer ihm ums Leben kamen. Mit einer Aufzeichnung, wie er endlich seltsam durch Piraten befreit wurde. Geschrieben von ihm selbst.“). Wem das jetzt zu angestaubt ist, dem sei das Buch Mr. Cruso, Mrs. Barton & Mr. Foe (engl. Originaltitel Foe) des südafrikanischen Schriftstellers J. M. Coetzee ans Herz gelegt. Coetzee erzählt die Geschichte neu. Zu Robinson und Freitag gesellt sich eine Frau, die nun die Geschehnisse aus ihrer Sicht erzählen möchte.

8. Reise um die Erde in 80 Tagen von Jules Verne

Der Roman von 1873 ist ein Klassiker der Reiseromane. Wie bekannt sein dürfte, wettet Phileas Fogg in London mit den Mitgliedern des Reform Clubs darum, dass es ihm gelingen werde, in 80 Tagen um die Welt zu reisen. Da das Flugzeug als Transportmittel noch nicht in Frage kam, legten Fogg und sein Diener Passepartout weite Teile der Reise mit dem Schiff zurück. Immer verfolgt vom übereifrigen Detektiv Fix, der in Fogg den Räuber eines Vermögens aus der Bank of England zu erkennen glaubt.

9. Das Rätsel der Sandbank von Erskine Childers

Der leidenschaftliche Segler „Davies“ und der britische Diplomat „Caruthers“ segeln, vorgeblich auf Entenjagd, durch friesische Wattenmeer. Dabei entdecken sie Invasionspläne des deutschen Militärs. Der Roman hinterließ in seiner Zeit (also vor dem ersten Weltkrieg) einen nachhaltigen Eindruck. Die Invasionspläne waren so glaubhaft geschildert, dass die Engländer in der Folge tatsächlich ihre Seeabwehr verstärkten. Erskine Childers errang mit diesem Buch seinen Ruf als Vater des modernen Spionageromans. Das Rätsel der Sandbank wurde 1903 veröffentlicht und ist das aktuelle Buch meiner Lesereihe.

Startschwierigkeiten

Listen machen ist ja eigentlich mein Hobby. Ich könnte Listen für alles haben, was ich tun soll, wohin ich gehen soll, welche Dinge ich besitze, welche Filme ich gesehen habe …

Ein Buch zu finden, dass 1901 veröffentlicht wurde und das mich auf Anhieb interessiert, war gar nicht so leicht. Nach reichlicher Überlegung habe ich beschlossen, Thomas Mann eine Chance zu geben und zuerst die Buddenbrooks zu lesen. Ein Grund für meine Wahl ist nicht zu letzt der, dass der Schmöker schon seit ca. 10 Jahren unangetastet in meinem Bücherregal vor sich hinstaubt. Aber das hat bald ein Ende: noch 6 Mal schlafen, dann geht es los.

Ein Jahrhundertprojekt in den Startlöchern

Die äußeren Bedingungen sind denkbar günstig: der Bücherstapel auf meinem Nachttisch ist auf ein historisches Tief zusammengesunken. Nur noch ein Bändchen Jane Austen ist übrig, aber auch das ist bald durch. Endlich Zeit für was Neues! Zeit für eine Mammutprojekt!

Ich lese das 20. Jahrhundert von Anfang bis Ende, von vorn bis hinten, von der ersten bis zur letzten Seite.  Ein Buch aus jedem Jahr. Die genaue Liste steht noch nicht fest, denn viele naheliegende Bücher, wie Mrs. Dalloway, Der Herr der Ringe oder Homo Faber, habe ich schon gelesen und Wiederholungen sind meine Sache nicht.

Zum Startschuss am 1. Juni soll die Liste für die erste Dekade stehen. Ich freue mich auf eure Empfehlungen und Buchtipps!