1909: Was wollte uns der Dichter damit sagen?

WalserDie Lektüre von Robert Walsers Jakob von Gunten gehört zu den langweiligsten und verwirrendsten Leseerlebnissen meines Lebens. Tapfer nehme ich das Buch jeden Tag in meiner Tasche mit zur Arbeit. Jeden Morgen sitzt ich in der Straßenbahn und wundere mich aufs Neue über das Buch.

Robert Walser ist ein Schweizer Schriftsteller, ein Zeitgenosse Hesses also. Das und die Tatsache, dass sein Nachname so prominent ist, hat mich bewegt Jakob von Gunten auszuwählen. Aber der Mut, etwas Neues zu probieren, wird eben nicht immer belohnt. Walser wählte die Form eines poetisch-fiktiven Tagebuchs um von dem jungen Jakob zu erzählen, der aus einem reichem Elternhaus kommt und sich und seiner Familie beweisen will, dass er etwas taugt. Deswegen begibt er sich in eine Knabenschule zur Dienerausbildung. Dann passiert allerdings nichts mehr. Jakob spinnt sich nur noch einen ab. Walser reiht ziellos Jakobs Gedankenfetzen aneinander. Der Leser bekommt zwar einen ungefähren Eindruck von Jakobs Elevendasein, aber auf eine Geschichte wartet er vergeblich. Es ist vielleicht ein Bildungsroman, nur ohne Lernprozess.

Während des Lesens zweifle ich an mir, an meiner eigenen Bildung. Die Sätze, die Walser zueinander stellt, kann ich verstehen, aber ich verstehe nicht, was sie miteinander zu tun haben. Auch nicht, was die einzelnen Abschnitte verbindet. Ich ahne, wie sich die nicht so Beflissenen im Deutschunterricht bei der Analyse und Interpretation von literarischen Texten gefühlt haben müssen. Vielleicht ist das aber alles auch nur irgendwie  avantgardistische Kunst. Vielleicht kann ich es einfach nicht erkennen.

Wenn mich jemand fragen würde, welches Buch man auf keinen Fall lesen sollte, ich würde Jakob von Gunten nennen. Ungeschlagen auf Platz 1. Während ich mich vor der Lektüre gedrückt habe, bin ich aber an viele andere, sehr lesenswerte Bücher geraten. Statt dieses Buches habe ich in der Zeit Christoph Rehages The Longest Way lesen oder Astrid Lindgrens Kindheitserinnerungen Das entschwundene Land  gelesen. Auch Leonie Swanns Garou hat sich gelohnt.

Der Vollständigkeit halber will ich das Buch dennoch zu Ende lesen. Vielleicht beantwortet sich dann noch eine meiner Fragen: Worum geht es hier eigentlich? Passiert hier noch irgendwas? Ist das Kunst? Warum ist das eines von Kafkas Lieblingsbüchern? Ich melde mich wieder, wenn ich mehr weiß.