1903: Eine Rolle Seemannsgarn

Davies und Carruthers schippern im friesischen Wattenmeer herum und hoffen, Bestätigung für ihre Theorie zu finden, nach der die Deutschen irgendwo im Watt irgendwas planen, das den Engländern im militärischen Ernstfall gefährlich werden könnte.

Zum Hintergrund: es ist die Zeit des kolonialen Imperialismus. Davies geht davon aus, dass nur noch durch die Marine neue Eroberungen und Entwicklungen möglich sind und nur durch Schiffe eine Weltvormachtstellung wie die englische erreicht und gehalten werden kann. Um vor den anderen Mächten verborgen neue Schiffe und Flotten zu bauen braucht man ein gutes Versteck. Und das will Davies im Wattenmeer gefunden haben. Ein naheliegender Gedanke. Schließlich ist das Wattenmeer ein Gebiet, in dem sich die Deutschen gut auskennen. Es ist aber schier uneinnehmbar für eine fremde Macht, da kleine Priele, Sände und das Wissen über verschiedene Strömungen und Wasserscheiden in keiner ausländischen Karte verzeichnet sind.

Davies und Carruthers segeln nun herum und loten nahezu jeden Zentimeter der Küste ab, dabei geraten sie ins Spinnennetz des vermeindlichen Spions Herrn Dollmann und seiner Kumpanen, Grimm, von Brüning und Böhme. Davies ist dazu noch verknallt in Dollmanns Tochter und sitzt so in der Zwickmühle. Er will nun den Vater in die Falle locken, aber das Mädchen unbeschadet lassen. Spannend!

Was für ein herrliches Buch: amüsant, kurzweilig und lehrreich.

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1903: Segeln in der Nordsee – Das Rätsel der Sandbank

Raetsel der Sandbank FilmbildIrgendwann früher dieses Jahr war ich auf Familienbesuch an der Felnsburger Förde. Eines Nachmittags übergab man uns eine DVD-Box von Das Rätsel der Sandbank. Während ich auf das Paket stierte wie ein Schwein ins Uhrwerk, geriet mein Freund in helle Aufregung und Kindheitserinnerungen wurden aufgerollt. Der Vierteiler lief in den Achtziger Jahren im Westfernsehen und die ganze Familie hatte ihn offenbar damals verfolgt. Warum nur hatte ich noch nie von dem vermeindlichen Klassiker gehört? Tatsächlich ist mir das Buch The Riddle of the Sands während meines Anglistik-Studiums nicht untergekommen, obwohl sowohl Autor Erskine Childers als auch Buch selbst eine äußerst bemerkenswerte Geschichte haben.

Nach 10 Folgen der Fernsehserie, inklusive ausführlichsten Segelaufnahmen in der Nordsee und Ohrwurm-Erkrankung durch den schrägen 80er-Titelsong, bin ich nun umso mehr gespannt auf das Buch.

Zu Beginn befinden wir uns im London von 1902 mit Mr. Caruthers, der im Außenministerium arbeitet. Die Beschreibung des Saisonendes liegt sehr nah an der, die Henry James in Die Flügel der Taube gibt. So ist der Übergang zur neuen Lektüre für mich fließend. Caruthers hat aus dienstlichen Gründen zunächst keinen Urlaub bekommen und steht nun vor dem Dilemma, dass die ganze gute Gesellschaft ihre Ferien nun schon anderswo begonnen und beendet hat. Nur deshalb nimmt er schließlich die Einladung seines ehemaligen Kommilitonen Arthur Davies an, mit ihm im September in der Ostsee zu segeln und Enten zu jagen. Der englische Originaltitel The Riddle of the Sands: A Record of Secret Service verrät, dass im Buch Geheimdienst-Verwicklungen zu erwarten sind. Auch ist es dieses Buch, dass dem Autor Erskine Childers seinen Ruf als Vater des modernen Spionageromans eingebracht hat. Man darf also gespannt sein.